Hunde Mafia

Von Iris Koch


Erst wenige Wochen alt - Traurige Hunde Augen sollen Mitleid erzeugen und zum Kauf  bewegen !
Aber jeder Kauf kurbelt das Geschäft  mit den gequälten Tieren an : Die Mütter leben als Gebärmaschinen
in dunklen Ställen , die Welpen zusammengepfercht in Kartons und Taschen .

Grausame Zustände in Polen ! Brutale Hundehändler verkaufen heimlich kranke Welpen unter schlimmen
Bedingungen . Bei der Recherche wurde unsere Redakteurin Iris Koch sogar bedroht .

Aus der blauen Tasche dringt klägliches Wimmern . Als ich hineinschaue , heben drei Hundebabys ängstlich
ihre Köpfe und schauen mich fiepend an . "Kaufen Sie . Heute nur 40 Euro für einen Jack - Russell ", raunt
der Händler mit der Mütze mir zu .
Es ist Samstag , 10 Uhr , in Slubice . Gleich hinter Frankfurt (Oder) an der polnischen Grenze  findet hier ein
großer Wochenmarkt statt .
Vor allem Deutsche , die nahe an der Grenze wohnen , strömen zu den Ständen . Sie wollen hier billig
Zigaretten , Kleidung und Schuhe einkaufen - und Welpen .
Für Alles für die Frau wollen ein Fotograf und ich dokumentieren , wie grausam hier mit Hundebabys
umgegangen und gehandelt wird .Deshalb geben wir uns als Paar aus , das für ein Kind einen Hund kaufen
will. Damit die Händler uns erlauben zu fotografieren , erzählen wir , dass unsere Tochter zu Hause krank im
Bett liegt und sich einen Hund von den Fotos aussuchen darf.
Die Händler wittern ein gutes Geschäft . Bereitwillig nehmen sie die Decken von den Körben und zeigen uns
ihr Angebot : abgemagerte Welpen , verängstigt und zusammengepfercht .
" Bei uns  kannst du alle Rassehunde billig kriegen . Huskys , Schäferhunde , Rottweiler , Pitbulls. Oder willst
willst du eine kleine Rasse ? Hier habe ich Malteser , Shi - Tzus oder Möpse - alle gesund und kräftig " , sagt
eine Händlerin und drückt mir einen schneeweißen Malteser in den Arm . " Den kriegst du für 200 Euro . Beim
Züchter in Deutschland zahlst du 1000 Euro ", ruft die Polin und verhandelt schon mit der nächsten
Interessentin über den Preis eines Rottweiler - Welpen .
Das weiße Fellbündel in meinem Arm zittert und lutscht an meinem Finger . " Ich glaube , der hat Hunger und
muss Milch trinken " , meine ich zu der Frau . Da mischt sich ein weiterer Händler ein : " Nix Milch trinken . Der
Hund ist schon acht Wochen alt ! " Ich schaue den Mann mit der Zigarette im Mundwinkel skeptisch an . Ich
habe selbst einen Hund und schätze das Bündel in meinem Arm auf fünf Wochen .
Mittlerweile drängen sich immer mehr Menschen um die mit Welpen vollgestopften Körbe . " Schauen Sie ,
dieser Schäferhund ist schon etwas größer . Den gebe ich für 60 Euro her " , ruft der Händler und packt dem
panisch jaulenden Hund ins Genick . " Der muß weg " , nuschelt er leise . " Was meinen Sie damit ? Was
macht Ihr mit den Hunden , die Ihr nicht verkauft ? " , frage ich nach . Der Mann mit der Zigarette deutet mit
der Hand einen Schnitt durch die Kehle an .
Kein Einzelfall . Wie mir Markus Pfeuffer (40) , Mitarbeiter der Hamburger Tierschutzorganisation " Vier Pfoten "
, später bestätigt : " In den Straßengräben von Slubice , rund um den Markt wurden schon viele Hundekadaver
gefunden . Denn nur die kleinen Welpen bringen Geld . Deshalb werden sie bereits wenige Wochen nach ihrer
Geburt der Mutter entrissen . Gelingt es den Händlern nicht sie zu verschachern , werden sie eiskalt umgebracht ."
Ein Schicksal , das auch den Hündinnen droht . Der Tierschützer erklärt : " Sie leben eingesperrt in Ställen und
müssen als Gebärmaschinen dienen . Und wenn sie keine Jungen mehr bekommen , werden sie getötet ."
Währenddessen verkriecht sich der Malteser in meinem Arm . Die Händlerin merkt das ich mit den Tränen
kämpfe , und flüstert : " Komm , der Hund ist geimpft . Er hat Papiere . Du bekommst keine Schwierigkeiten
in Deutschland . "
Natürlich weiß ich , dass die Papiere meistens gefälscht sind. Selbst der Stempel im Impfpass ist oft nicht echt.
" Die Hundewelpen vom Markt sind weder geimpft noch entwurmt und oft schwer krank . Ihre Überlebenschance
ist gering . Manche leben nach dem Kauf nur noch ein , zwei Wochen " , sagt Pfeuffer.
Und trotzdem ... Voller Mitleid drücke ich den kleinen Malteser eng an mich und streichle durch sein flauschiges
Fell . Da stürmt plötzlich der Händler mit der Mütze auf mich zu , reißt mir den Welpen aus dem Arm und schubst
mich weg . " Was fragt ihr so viel ? Macht , dass ihr wegkommt . Wenn ihr noch ein Foto macht , haue ich euch
die Nase blutig! "
Auch die anderen Händler schauen uns finster an und kommen langsam näher . Wir machen uns lieber auf den
Heimweg .
Auf der Rückfahrt plagen mich Gewissensbisse : Hätte ich den Malteser doch kaufen sollen ? " Nein bekräftigt
Markus Pfeuffer meine Entscheidung . Mit dem Kauf hätte ich den Handel der Mafia nur angekurbelt . Denn je
mehr Menschen dort Welpen kaufen , desto mehr Hündinnen und Welpen werden noch sterben .



Worauf Sie beim Kauf eines Hundes achten sollten


Udo Kopernik (54) , Vorstand und Pressesprecher vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) , gibt Tipps , damit  Sie nicht auf grausame Händler reinfallen .


⇒  
Kaufen Sie Ihren Liebling nur beim Züchter oder in einem Tierheim . So können Sie völlig sicher sein , dass Ihr Hund gesund ist
       und nicht gequält wurde . Achtung wenn angebliche Züchter mehrere Rassen anbieten : In diesem Fall besteht die Gefahr , dass
       sie selbst gar nicht züchten . Meistens handelt es sich dann um Händler , die ihre Welpen aus Osteuropa billig einkaufen .

⇒   Lassen Sie Sich auch die Hundemütter zeigen ! Beobachten Sie , ob sich der Züchter gegenüber dem Welpen und Althunden
       einfühlsam verhält . Die Welpen sollten nicht eingesperrt sein , sondern sich frei bewegen können . Die Kleinen sollten auch
       nicht ängstlich sein .

⇒   Die Augen der Hunde müssen frei und glänzend sein . Stellen Sie eine Trübung oder Ausfluss fest , lässt das auf eine Infektion
       schließen . Seien Sie skeptisch , wenn das Fell um den Po schmutzig ist . Durchfallgefahr !

⇒   Ein dickes oder aufgeblähtes Bäuchlein ist keinesfalls süß . Hier müssen Sie Parasitenbefall wie Würmer , Flöhe und Milben
       befürchten . Und die sind auf den Menschen übertragbar.

⇒   Wenn Sie nicht sicher sind , lassen Sie den Welpen vorab von einem Tierarzt gründlich untersuchen !

Aus " Alles für die Frau "  Nr. 16 12.04.2008

 



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